Arader Tümmler

 


Die Arader Tümmler wurden um 1850, von Deutschen und Ungarischen Siedlern im damaligen Banater Siedlungsgebiet (das heutige West Rumänien, ein Teil der jugoslawischen Vojvodina und einem Teil der ungarischen Batscka), vor allem aber in und um die Stadt Arad gezüchtet. Sie wurden aus Polnischen Elstertümmler(Galizische eisfarbige Kronentümmler), Danziger Hochflieger und Szegediner Tümmler erzüchtet. Schon damals waren es hoch- und ausdauernd fliegende Tauben, die in geschlossenen Schwärmen zwischen 5 und 6 Stunden, in sehr hoher Höhe flogen.

 

Um 1900 waren verschiedene Linien der Arader Tümmler im ganzen Banat, sowie in verschiedenen Teilen Siebenbürgens und der Batschka bekannt. Besonders verdient machten sich die Arader Züchter Meister, Schwarz, Schmidt, Balassa und Szabo, die Sathmarer Züchter Klein, Balog, Bajor und Schandor und die Batschkaer Züchter Bendesch, Mairovitz, Zakarias,Laszloffy und Schimon. So entstanden verschiedene Zuchtlinien wie die Balasscha Gelb- und Rotfahlen, die Blaufahlen von Mairovitz und Schimon und die Blauen von Meister und Bajor. Aus diesen Zuchtlinien entstand der Grundstein der heutigen Arader Tümmler.
 

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Arader Tümmler fast verschwunden und einige Züchter versuchten aus den wenigen noch zur Verfügung stehenden Tieren, die Rasse wieder zu beleben und zu verbreiten, was nur sehr langsam sowie äußerst schwierig gelang. In den folgenden 30 Jahren entwickelten sich die Arader Tümmler nur sehr langsam, da die wenigen Züchter fast keine Tiere veräußerten und wenn dies mal der Fall war, dann zu sehr hohen Preisen. Zur damaligen Zeit war es eine der Trendzuchten schlechthin und nur wenige Züchter konnten die geforderten hohen Preise bezahlen. Fast gleichzeitig züchteten im serbischen Teil des Banates (in der Vojvodina), etliche Züchter eine eigene Linie der Arader Tümmler heraus, die sie Banater Hochflieger, oder Großbetschkereker (Betschkereker/Zrenjaniner) Tümmler nannten. Diese unterscheiden sich durch die Anzahl der Schwanzfedern (mind. 14 Stück) und den Rosettensitz (dieser sitzt wesentlich tiefer), auch die Flügel sollten unter dem Schwanz getragen werden.


Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erlebten die Arader Tümmler einen derartigen Aufschwung, daß sie fast in allen Städten des Banats, in Teilen  Siebenbürgens, sowie der Batschka und Vojvodina, gezüchtet, geflogen und gehandelt wurden. Zuchtanlagen von 100 - 200 Tieren waren keine Seltenheit. Die Zentren waren: Arad, Temeschburg, Lugosch, Hatzfeld, Varschetz, Belgrad, Neu-Satz, Szeged, Makko, Großvardein, Sathmar, Frauenbach (Baia Mare), Klausenburg, und Odorhei um nur einige zu nennen.

Im Jahre 1955 wurde dann in Klausenburg (Cluj), im Rahmen der Zuchtanerkennungskonferenz der damaligen Sozialistischen Länder, ein einheitlicher Standard der Arader Tümmler, für Rumänien, Ungarn und Jugoslawien, unter den Namen Arader bindige Tümmler, geschaffen. Nach diesem Standard wird auch heute noch in diesen Ländern gezüchtet. Lediglich die einfarbige Variante wurde, auf Druck der ungarischen Züchter, nicht anerkannt, da man eine Verdrängung der Szegediner Hochflieger befürchtete. Diese einfarbigen Arader wurden lediglich in einigen Städten des Banates gezüchtet und ausschließlich für den Hochflug gehalten. In den darauffolgenden Jahren verbreiteten sich die Arader Tümmler stetig und es wurde auch die Flugeigenschaft dieser Rasse, innerhalb verschiedener Flugvereine, gefördert. 1960, im Rahmen eines Nationalen Flugwettbewerbes, wurden Flüge von 6 - 7 Stunden, vermerkt. Die Trophäe für die längste und schönste Flugzeit ging damals an meinen Großvater Franz Biringer, mit 6,45 Stunden. Während dieser Flugzeit waren seine Tiere für ca. 2 Stunden in Flimmerhöhe, sprich unsichtbar.

 

1961 wurde die bindige Variante dieser Rasse erstmals in einer Internationalen Schau ausgestellt und nach dem damaligen Standard gerichtet und zwar auf der großen Internationalen Intertauschau von Budapest. Zwischen 1970 und 1978 gab es wieder eine Flaute in der Zucht der Arader Tümmler, in ganz Rumänien gab es nur 10 Züchter, in Ungarn 3 und Jugoslawien 2.

Zwischen 1978 und 1990 erlebte diese Rasse einen soliden Aufschwung, denn es wurde viel mit diesen Tieren geflogen, die beste Flugzeit 1989 betrug 5,20 Stunden, bei hoher Flughöhe.

Auch in den verschiedenen Intertau Ausstellungen in Brün, Belgrad, Budapest, Bukarest, Leipzig oder Sofia waren die Arader Tümmler recht zahlreich vertreten und erzielten immer gute Preise. Die bekanntesten Arader Züchter, der damaligen Zei, waren: Klein, Guttmann, Tausch, Szabo und Straub mit den Blaufahlen, die Brüder Haiberger, Dan, Petracic und Martin bei den Blauen, Biringer, Marcu, und Szabo bei den Gelb- und Rotfahlen, um nur ein paar Namen bekannter Züchter zu nennen. Einige dieser Namen sind bestimmt auch einigen älteren Züchtern des Südosteuropäischen Taubenclubs bekannt, wenigstens Denjenigen aus der alten Heimat.

Die Arader Tümmler sind Hochflieger, die in Schwärmen ab 7 Stück sehr hoch und in geschlossenen Schwärmen fliegen. Um in Oberluft zu gelangen brauchen diese Hochflieger etwas Zeit, also nicht wie bei den Budapester oder Wiener Hochflieger, bleiben aber dann um so länger. Sie sind auch nicht ganz leicht zu trainieren, man sollte da etwas "Hochflugtauben Verstand" besitzen und vor allem Geduld aufbringen. Wenn man es aber dann geschafft hat, ist man sehr erfreut über den ungebremsten Flugwille den diese Hochflieger, trotz all der Höhen und Tiefen ihrer Entstehung, noch besitzen. Hoffentlich bleibt dieser ungebremste Flugwille dieser Rasse noch recht lange erhalten und wird auch weiterhin gefördert. Die Arader Tümmler sind vom Wesen her recht scheu und werden auch nicht leicht zutraulich, sie besitzen noch die typischen Verhaltenseigenschaften der alten Hochflugrassen. Es sind sehr widerstandsfähige und anspruchslose Tauben, die sich sehr um ihren Nachwuchs kümmern und ziemlich robust gegenüber verschiedener Krankheiten sind. Etliche Züchter benutzen sie auch als Ammentauben für ihre Kurzschnäbler, da sie sehr lange auf den Jungen sitzen und diese sehr lange hudern, all dies obwohl sie so scheu sind.

 

Mein Großvater Franz Biringer züchtete diese Rasse seit 1939, ununterbrochen in den Farben Gelb- und Rotfahl, als Hauptfarbe und Blau als Nebenfarbe. Als ich 1990, zusammen mit meinem Vater mit der Zucht der Arader Tümmler in Deutschland begann, bekamen wir 4 Paar Gelbfahle, 1 Paar Rotfahle und 4 Paar Blaue aus der Zucht meines Großvaters. Die Blaufahlen legten wir uns im Laufe der Jahre zu. Wie Sie sehen hat die Zucht der Arader Tümmler eine alte und ohne überheblich zu klingen, auch erfolgreiche Tradition in unserer Familie.


Da ich nicht nur die Flugeigenschaft der Arader schätzte, sondern mich ihre aparte Schönheit mit den satten und reinen Farben fasziniert, stellte ich diese Rasse 1995, zwecks Anerkennung in Nürnberg aus. Im Mai 1999, bei der Bundesversammlung des BDRG in Cottbus, bekam ich dann den deutschen Standard für meine Arader Tümmler.

Zu dem Zuchtstandard der Arader Tümmler sei noch folgendes zu vermerken: die Augen sind keine reine Perlaugen, wie sie im Deutschen Standard allgemein bekannt sind, sondern sie sind mit einem bläulichen Schimmer überzogen und hellen sich erst im 2-ten Zuchtjahr auf. Bei den Blaufahlen ist der Rosettensitz, zuchtbedingt etwas tiefer angesetzt und der dunkle Halbmond auf der Oberbrust sollte nicht zu dunkel und zu breit sein, es sollte eine sichtbare Abgrenzung zwischen Ober- und Unterbrust sein, auch die Farbe der Blaufahlen ist wesentlich heller als allgemein bekannt. Die Gelb- und Rotfahlen haben wesentlich breitere Binden als die meisten Bindigen. Die Farbe der Gelb- und Rotfahlen ist sehr intensiv, ja fast dunkel zu nennen, was unweigerlich im Andeuten einer 3-ten Binde, zum Ausdruck kommt.

 

Zum Zeitpunkt der Anerkennung gingen wir davon aus, dass die einfarbigen Arader ausgestorben wären.  Auch Recherchen in Arad brachten kein befriedigendes Ergebnis. Während eines Besuchs im Jahre 2003 in Arad, sah mein Vater in einem Dorf auf einem alten Bauernhof, etliche einfarbige Tauben auf einem Hausdach sitzen. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass es einfarbige Arader waren. Nach Klingeln an der Hoftür kam der Eigentümer heraus und lud meinen Vater in den Hof ein, dort lockte er die Tauben runter und so konnte mein Vater sie beobachten. Es waren insgesamt 7 Stück: 2 Rote, 2 Gelbe, 2 Schwarze sowie 1 Weiße. Nach zähem Verhandeln wechselten diese Tauben den Besitzer und traten die Reise nach Deutschland an. Aus diesen Ausgangstieren konnten wir uns, obgleich einiger Rückschlägen, in den folgenden Jahren einen neuen Stamm einfarbiger Arader heranzüchten. Somit haben wir auch diese Farbvariante gefestigt und vor dem totalen Verschwinden bewahrt. Wie es sich auch gezeigt hat, haben dies Einfarbigen ihren Flugwillen behalten und erfreuen uns immer wieder aufs Neue.

 

Es würde mich sehr freuen wenn es auch noch einige andere Interessenten für diese wunderschöne und aparte Rasse gäbe die mir dabei helfen, diese Rasse in Deutschland bekannter zu machen und vor allem die Flugeigenschaften zu fördern und zu erhalten.

 

Die Patenrassen des heutigen Arader Tümmlers

verschiedene bindige Arader Tümmler

Arader Tümmler Blau mit Schwarzen Binden
Arader Tümmler Blau mit Schwarzen Binden
Arader Tümmler blaufahl
Arader Tümmler blaufahl
Arader Tümmler Blaufahl
Arader Tümmler Blaufahl
Arader Tümmler Rotfahl
Arader Tümmler Rotfahl
Arader Tümmler Gelbfahl
Arader Tümmler Gelbfahl

Artverwandte Rassen des Arader Tümmlers

Betschkereker/Zrenjaniner Tümmler Rotfahl
Betschkereker/Zrenjaniner Tümmler Rotfahl
Frankenstädter/Baja Tümmler Blaufahl
Frankenstädter/Baja Tümmler Blaufahl

Verschiedenes zu den Arader Tümmler

Flugergebnisse von 1982 bis 2012
Flugergenbisse 1982 bis 2012.pdf
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Geflügelzeitung 1964 - Intertau Dresden
Geflügelzeitung 1964 - Intertau Dresden
Zuchtpaar Arader Tümmler Gelbafhl 1960 aus der Zucht meines Großvaters Franz Biringer sen.
Zuchtpaar Arader Tümmler Gelbafhl 1960 aus der Zucht meines Großvaters Franz Biringer sen.
Buchdeckel
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Deutscher Standardtext
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Rumänischer Standardtext
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Arader Tümmler (ungarisches Taubenbuch)
Kombination_Arader.pdf
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